|
Entstehung und Grundlagen
der Bioenergetik
Text
mit freundlicher Genehmigung von Thomas Klaus 40627 Düsseldorf-Unterbach
Diese Behandlungsmethode gehört zu den Körpertherapien,
die vor allem in den USA begründet wurden. Im Sinne des Ganzheitsprinzips
der Naturheilkunde versucht die Bioenergetik, Körper, Geist
und Seele wieder in Einklang zu bringen, damit die Lebensenergie,
auch Bioenergie genannt, erhöht wird und ungehindert durch
den ganzen Körper strömt. Das fördert die Gesundheit
und die Lebensfreude und lässt uns die Fülle der Lebensmöglichkeiten
wieder erkennen und ausnutzen. Da heute viele Menschen vorwiegend
"aus dem Kopf" leben, aber ihre Gefühle und Körperlichen
Bedürfnisse vernachlässigen, kann diese Therapie vor
allem zur Grundbehandlung psychosomatischer Erkrankungen eingesetzt
werden, ergänzt durch verschiedene Naturheilverfahren.
Bioenergetik
wurzelt in folgendem Prinzip:
Der Organismus
ist eine Einheit. Somit ist auch Gesundheit als Einheit zu begreifen.
Das heißt, dass eine Identität zwischen körperlicher
und geistiger, emotionaler und sexueller Gesundheit besteht. Jeder
Gesichtspunkt seiner Gesundheit steht in Beziehung zu einem anderen
und spiegelt seine Gesundheit wider. Ein Bruch in dieser Einheit
unterbricht die Ganzheit des Organismus und stört die Gesundheit
an einem anderen Punkt. Zum Beispiel sind sexuelle Probleme und
möglicherweise Ängste Auslöser für Störungen
in seiner körperlichen, geistigen und emotionalen Gesundheit.
Körperliche
Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheiten. Sie
zeigt sich in einem grazilen, energievollen und schönen
Körper, ist pulsierend, lebendig. Hier herrscht ein klarer
Verstand und es gibt keine unterdrückten Konflikte.
Emotionale
Gesundheit bedeutet sozial und emotional kompetent zu sein.
Geistige
Gesundheit heißt, in der Lage zu sein, jederzeit angemessen
(an der jeweiligen Situation orientiert) zu denken und zu handeln.
Sexuelle
Gesundheit ist das genuss- und lustvolle Erleben und Ausdrücken
von Gefühlen
Entstehung
und theoretische Grundlagen der Bioenergetik
Begründet
wurde die Bioenergetik von dem 1910 geborenen Amerikaner Alexander
Lowen. In den 30er Jahren stieß er erstmals auf Zusammenhänge
zwischen körperlicher Aktivität und seelisch-geistigem
Befinden. Er nahm Kontakt auf mit Wilhelm Reich, dem "Vater"
der Körpertherapie und wurde dessen Schüler. 1947 begann
Lowen seine Bioenergetik zu entwickeln.
1956 gründete
er das Institut für Bioenergetische Analyse. Theoretische
Grundlage der Bioenergetik bildet die Annahme, dass es eine "fundamentale
Energie" gibt, die man mit Lebenskraft am besten beschreibt.
Diese Bioenergie bestimmt u.a. die Körperhaltung und den
Spannungszustand der Muskulatur maßgeblich mit. Fließt
sie frei durch den Körper, besteht eine aufrechte, gute Haltung,
während Störungen des Energiestroms zu Fehlhaltungen
und Verspannungen der Muskulatur führen.
Daraus kann der erfahrene Therapeut sichere Rückschlüsse
auf die lebensgeschichtliche Entwicklung und augenblickliche Lebenssituation
eines Menschen ziehen. Neben den Veränderungen der Körperhaltung
sind dabei vor allem die "Verpanzerungen" der Muskulatur
bedeutsam. In ihnen staut sich die Lebensenergie, wird "eingefroren"
und steht nicht mehr für körperliche und geistig-seelische
Aktivitäten zur Verfügung.
Als Ursachen solcher Energieblockierungen gibt Lowen meist negative
Erfahrungen schon in der frühen Kindheit an; sie können
aber auch erst im späteren Leben durch ungünstige Einflüsse
entstehen oder verschlimmert werden. Bewusst und willentlich lassen
diese sich nicht mehr auflösen. Eine typische Ursache ist
die Ablehnung durch die Eltern, die dazu führt, dass das
natürliche Bedürfnis nach Zuwendung und Zärtlichkeit,
Liebe unterdrückt werden muss. Dazu wird die damit verbundene
Bioenergie im Muskelpanzer "gebunden" und unter Kontrolle
gehalten. Chronische schmerzhafte Verspannungen zum Beispiel in
der Rückenmuskulatur sind die häufige Folge, aber auch
zahlreiche andere psychosomatische Beschwerden können so
entstehen.
Methoden (Uebungsformen)
der Bioenergetik
Stress-Positionen,
das sind bestimmte, anfangs unbequeme Körperhaltungen, die
so lange wie möglich eingehalten werden; dabei kommt es u.a.
zur vertieften Atmung, guter Durchblutung und zum Vibrieren der
belasteten Körperpartien, wobei sich der Muskelpanzer löst
und die Energie wieder frei strömt.
Erdungsübungen
(Grounding), bei denen man bewusst den Kontakt mit dem Boden
herstellt und wahrnimmt, also wieder lernt, mit "beiden Beinen
fest auf dem Boden der Realität und im Leben zu stehen",
verwurzelt im Inneren durch Wahrnehmung, Gefühl, Gedanken
und in Beziehung zu anderen Menschen
Tiefenatmung
u. a. mit Hilfe von Atemhocker oder Schaumstoffwürfel.
Bewegungs-
und Ausdrucksübungen machen den Körper beweglicher.
Ausdrucksübungen bestehen u.a. in Strampeln, Treten, Stoßen
mit Händen und Füssen, wobei Gefühle (wie Aggressionen,
Wut, Trauer), die lange unterdrückt wurden, ausgelöst
und befreiend abreagiert werden können. Auch werden oft Erinnerungen,
Bilder und Fantasien aus sehr frühen Jahren an die Oberfläche
gebracht. Fallübungen können vorübergehend die
Selbstkontrolle durch den Verstand ausschalten und die damit verbundenen
Verspannungen lösen.
Massageähnliche
Manipulationen am Muskelpanzer und einzelnen Verspannungen
lösen diese auf. Diese Massage arbeitet auch mit gezieltem,
äußerem Druck, bis sich die blockierte Energie schließlich,
wenn der Druck zu stark wird, spontan entlädt.
Die körperlichen Übungen werden von seelischen Reaktionen
begleitet, weil mit der Lösung der Energieblockaden auch
lange verdrängte, im Muskelpanzer "eingefrorene"
Gefühle und schmerzhafte Erinnerungen befreit werden. Sobald
sich der Mensch seines Körpers bewusst/er wird, gewinnt er
ein neues Verhältnis zu sich selbst und findet Wege zu mehr
Ausgeglichenheit und Wohlbefinden. Über Atmung und Bewegung
drücken sich Gefühle körperlich aus, durch Anspannen
der Muskulatur und Einschränken der Atmung werden diese kontrolliert.
Die Bioenergetik
verwendet Körpertechniken, die eine tiefe und ungehinderte
Atmung wiederherstellen sowie Bewegungs- und Ausdrucksübungen,
die festgehaltene Emotionen wiederbeleben, dem Bewusstsein erneut
erfahrbar machen. Das Wahrnehmen und Lösen belastender Energieblockaden
führt letztendlich zu mehr Lebensfreude und selbstbestimmtem
Handeln.
Die in
der therapeutischen Arbeit gemachten Erfahrungen werden gemeinsam
analysiert und besprochen
Es
entsteht mehr und mehr Verständnis für die eigene
Lebensgeschichte
und
somit wird auch der Bezug zum individuellen Alltagserleben klarer
und fassbarer.
Das weiter entwickelte Körperbewusstsein hilft dabei im Alltag
über das Körpergefühl (z.B. "aus dem Bauch
heraus") angemessen zu handeln. Auf diesem Wege kann sich
ein tieferes Bewusstsein für die eigene Persönlichkeit
entwickeln und die Kraft, die früher in den Muskelverspannungen
gebunden war, steht wieder "zur Lebensgestaltung" zur
Verfügung.
Wachstum, Entwicklung und Wahrung der eigenen Identität
bleiben bestehen, ist der Mensch erst einmal im Körper verwurzelt
Körperausdruck
und Charakterstrukturen
Die geäußerte Energie zeigt oft wenig von dem, was
an lebendigen Lebenskräften hintergründig, unbewusst
am Werk ist. Es ist wichtig wahrzunehmen, welche Haltungen, verinnerlichte
Maßnahmen dem jetzigen Leben dienlich sind oder als alte
Relikte gegen das heutige Dasein gerichtet sind.
Mit Hilfe der Bioenergetischen Charakterarbeit werden "Errungenschaften",
die früher als notwendige Abwehrreaktionen gegen zum Beispiel
schmerzliche Einflüsse auf die Person entstanden sind, spürbar,
erkennbar gemacht. Es wird die Bereitschaft gefördert, Verkrustungen
aufzubrechen und Blockierungen abzubauen. Neugierde auf die ungebremste
Lebenskraft, das Dynamische hinter den Blockaden wird geweckt.
Das Seelische hat im Körper seine Entsprechungen und kommt
im Körper zum Ausdruck. Der Charakter legt die Lebensgeschichte
fest. Unter ungünstigen Lebenskonstellationen durfte sich
die Lebendigkeit im Körper nur wenig Raum verschaffen. Die
Seele verkümmerte, die Einheit von Körper und Seele
ist gestört. Statt strömender Lebendigkeit erlebt dieser
Mensch Stress, Unzufriedenheit, Depression und unbewusstes Getriebensein.
Lebensprozesse
stellen sich aus bioenergetischer Sicht in vier Phasen dar:
1. Bejahen
2. Nehmen
3. Halten
4. Geben
Charakterstrukturen
beschreiben energetische Störungen der Persönlichkeitsentwicklung
in einer oder mehrerer der vier Phasen:
Die Bejahung
ist der Antrieb jeden gesunden Lebensprozesses (Urvertrauen).
Im Nehmen
tanken wir genügend Energie auf (auch gefühlsmäßige
Sättigung), um das Leben tatkräftig gestalten zu können.
Durch das
Haltevermögen sammeln und speichern wir Kraft.
Im Geben
sind wir dann in der Lage zu teilen, abzugeben, uns in Liebe hinzugeben.
Zusammengefasst
bedeutet dies folgendes:
Sind die vom
Säugling ausgehenden Lebensimpulse bejaht worden, hat es
genug bekommen und ausreichend Kräfte gespeichert, dann kann
es sich hingeben. Es hat so viel Lebenssubstanz entwickelt, um
ausgeglichen und freigiebig in Kontakt mit "der Welt"
zu treten. Ein Kind entwickelt sich in einer bejahenden Umwelt
mehr und mehr, in dem es sich seiner Rechte immer bewusster wird.
Den Entwicklungsschritten entsprechend steht das Recht zu existieren,
seine Bedürfnisse zu befriedigen, selbständig und unabhängig
zu sein,... im Mittelpunkt der Entwicklung. Dieser beschriebene
optimale Entwicklungsverlauf stellt sich nur dann so da, wenn
keine frühen Störungen die Persönlichkeitsentwicklung
gravierend beeinflusst haben. In der Auseinandersetzung zwischen
Triebstruktur und gesellschaftlicher Realität, zwischen "Innen-und
Außenwelt", kommt es je nach Entwicklungsverlauf zu
bestimmten, charakterlichen Manifestationen, Verspannungen und
Blockierungen der Muskulatur:
z.B.: Wird
ein Säugling, der sein Verlangen nach Zuwendung und Zärtlichkeit
durch Schreien ausdrückt, immer wieder die Erfahrung machen,
dass dieses Bedürfnis gar nicht oder negativ beantwortet
wird, wird es beginnen sein Bedürfnis nach Zärtlichkeit,
Zuwendung zu unterdrücken. Es hält z.b. die Luft an,
beisst auf die Zähne, spannt den Bauch hart an. Aus Angst
vor erneuter Ablehnung und / oder Schmerz der Verlassenheit entwickelt
sich als Schutzrektion ein Muskelpanzer.
In der Bioenergetischen Körperarbeit werden diese, vorwiegend
in der frühen Kindheit ( bis zum 8.Lebensjahr) entstandenen
Abwehr- und Schutzreaktionen, offen gelegt und in ihrer lebenseinschränkenden
Wirkung gemindert bzw. abgebaut.
Die Bioenergetik unterscheidet fünf Charakterstrukturen
1. Der
schizoide Charakter
2. Der orale Charakter
3. Der psychopathische Charakter
4. Der masochistische Charakter
5. Der rigide Charakter
Kurzbeschreibung
des schizoiden Charakters
Wird ein Säugling
nicht eindeutig in seiner ganz frühen Entwicklung bejaht,
bestärkt in seinem Dasein, fühlt es sich nicht richtig
zu Hause in sich selbst.
Die Angst zurückgewiesen zu werden lässt den Körper
zusammenziehen. Die innere und äußere Einheit zerbricht
durch zu große Spannungen. Der Körper wirkt fragmentiert
und unproportioniert. Zweifel und Misstrauen lassen Uneinigkeit
mit sich selbst und der Realität um es herum aufkommen. Die
schizoide Person zieht sich in seine "Phantasiewelt"
zurück ("Weltflucht"). Sie baut sich eine eigene
ungestörte Traumwelt auf. Körper und Seele entfremden
sich.
Gerade
bei schizoiden Persönlichkeiten geht es darum, dass sie ihren
"leeren", "bedeutungslosen" Körper wieder
mit Leben füllen lernen. Sie müssen ihren Körper
zurückgewinnen.
Kurzbeschreibung
des oralen Charakters
Wer nicht
genug bekommen hat, läuft unbefriedigt und "ausgehungert"
durchs Leben. Sein Körper zeigt Mangelerscheinungen. Er kann
sich nicht das nehmen, was er braucht, da seine Organe blockiert
sind. Er ist kaum in der Lage seine Bedürfnisse und sein
sehnsüchtiges Verlangen auszudrücken. Da er fast nur
das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, wird er immer tiefer in
Illusionen hineingezogen. Die Grundlage für die Entstehung
von Süchten ist gelegt. Er fühlt sich schwach und hilflos.
Er entzieht sich jeglicher Anstrengung, oft auch der Verantwortung
für sein Tun. Ein typischer Satz ist "Ich kann das nicht".
Die orale
Person muss lernen sich zu nehmen, was sie für ein erfülltes
Leben braucht.
Kurzbeschreibung des psychopathischen Charakters
Kinder haben den inneren Wunsch erwachsen zu werden. Wird ihnen
eine erwachsene Rolle angeboten oder wird es hochgejubelt, so
ist das Kind verführbar, manipulierbar. Bekommt es für
sein vernünftiges Verhalten auch noch positive Verstärkung,
so wird es sein Erwachsenwerden beschleunigen und schnell groß
werden wollen. Aus der Befürchtung sonst übersehen zu
werden, entspricht es dem fremden Wunsch und wird somit um seine
Kindheit betrogen. Weil das innere Wachstum nicht mithalten konnte,
verausgabt der Psychopath sich, übernimmt sich. "Frühreif
sein zu müssen" wie "zu schnell zu viel erreichen
zu wollen, können körperliches Wachstum nicht ersetzen.
Da das Kind für sein Erwachsensein immer wieder gelobt wird,
glaubt es stark zu sein, keine Schwächen zu haben und immer
alles bestimmen zu wollen. Im Körper verschiebt sich alles
nach "oben" und die obere Hälfte wirkt aufgebläht.
In der Mitte des Körpers treten Bruchstellen zwischen oben
und unten auf. Die psychopathische Persönlichkeit ist sehr
stark kopflastig und leugnet ihre Gefühle. Das äußerliche
Gehabe und Großgetue steht im Mittelpunkt ihres Daseins.
Die psychopathische
Person hat die Wiederentdeckung seiner tiefen Gefühle zur
Aufgabe und der damit verbundenen Verletzlichkeit.
Kurzbeschreibung
des masochistischen Charakters
Werden Kinder
immer wieder in ihrem Bewegungsdrang und ihrer Neugierde unterdrückt
und beherrschen sie sich aus Furcht vor Ablehnung, ist spontaner
Ausdruck kaum mehr möglich. Sie versuchen den Anderen immer
alles Recht zu machen. Sie passen sich dem Druck der Anderen an,
um sich nicht "daneben" zu benehmen. Folgen dieser permanenten
Anpassung sind Antriebsschwäche, Verklemmungen, Hemmungen
und Schamgefühl. Die Strebungen nach Unabhängigkeit
werden dem Bravsein und dem nicht Auffallen wollen geopfert. Solche
Personen sind später willenlose Befehlsempfänger und
meiden die eigenverantwortliche Entscheidung.
Die masochistische
Person muss versuchen ihre Aggressionen angemessen abzuführen,
ohne Schuldgefühle dabei zu empfinden. Sie tut gut daran
"Neinsagen" zu lernen und ihre Schuldgefühle zu
reduzieren. Tiefe Entspannung ist ihm sehr hilfreich.
Kurzbeschreibung des rigiden Charakters
Wichtige Merkmale
sind: Vornehme Zurückhaltung, Stolz und Unnahbarkeit. Hier
wird sich durch ablehnendes und zurückweisendes Verhalten
geschützt. Liebevolle Hingabe an eine geliebte Person fällt
dem rigiden Typen äußerst schwer. Er lebt in der Vorstellung
alles allein schaffen zu müssen. Die rigide Persönlichkeit
hat die Phasen von Bejahen, Nehmen und Halten recht befriedigend
durchlaufen, so dass sie sich eigentlich liebevoll hingeben könnte.
Aber gerade in dieser Entwicklungsphase treten Schwierigkeiten
auf. In Form von spezifischen Verspannungsmustern, die sich aus
der Zurückhaltung ergeben. Der Rigide gibt sich nur teilweise
hin. Empfindet er tiefe Liebe, wird er sich scheuen, sich sexuell
hinzugeben. Lässt er sich auf Sexualität ein, wird er
sein Herz zurücknehmen.
Er muss
lernen, seine Angst vor Zurückweisung abzulegen.
|