Die körper-psychotherapeutische Arbeit am Zentrum für
Biodynamische Psychologie und Körperarbeit baut auf drei praktischen
Pfeilern und deren theoretischen Hintergrund auf:
Körperprozesse (Vegetotherapie
und Körperpsychotherapie nach reichianischen und biodynamischen
Grundsätzen, Segmentarbeit nach Wilhelm Reich, körperliche
Wahrnehmung und Ausdruck, Atem, Charakteranalyse, Bewegung, Übungen
zu allen Bereichen)
Berührung und Massage nach
Gerda Boyesen
Beziehung nach
klientenzentrierten, analytischen und körper-psychotherapeutischen
Modellen.
Im
Menschenbild der biodynamischen Therapie ist das Prinzip der Selbstregulation
sehr zentral. Hat der Mensch seine ursprüngliche Flexibilität
und energetische Pulsation wiedergewonnen, so ist die Möglichkeit
der Selbstregulation gegeben. Er kann sich der Aussenwelt öffnen
und sich von ihr abgrenzend dem eigenen Selbst zuwenden. Dieses
frei bewegliche Selbst hat Wachstums- und Selbstheilungskräfte
zur Verfügung, mittels derer es aus eigenem, inneren Impuls
auf die Welt zugehen kann. Das sogenannte «falsche Selbst»
iat stets reaktiv in starren Mustern auf die Umwelt fixiert und
zu wenig Wachstum fähig. Der Mensch entfremdet sich von der
wahren inneren Natur weg, hin zu einem angepassten Selbst. Biodynamische
Therapie besteht darin, das eigene innere Wesen wiederzufinden,
ursprüngliche Gefühle und Impulse auftauchen zu lassen
und optimal zu regulieren.
In
der biodynamischen Körperpsychotherapie, der Arbeit mit
Körperprozessen, geht es hauptsächlich um die Wahrnehmung
des ganzen körperlichen und emotionalen Bereiches und die
emotionale Entladung und Integration verdrängter, nicht gelebter
Gefühle. Konkret heisst das, dass mit dem «dynamischen
Aufsteigen» von unterdrückten Emotionen, Erinnerungen
und Impulsen, die aus Kindheitserlebnissen stammen, gearbeitet
wird, in welchen der emotionale, vasomotorische Zyklus unterbrochen
und somit die Libidozirkulation gestört wurde. In einer Sitzung
wird angestrebt, diesen Zyklus zu vollenden, damit die Energie
wieder frei fliessen kann. Die Biodynamik hat verschiedene Methoden
entwickelt, um das «dynamische Aufsteigen» unterdrückter
Gefühle zu unterstützen. Dazu gehören z. B. Massage,
Atemarbeit, Stressübungen, Orgonomieübungen. Mittels
dieser Methoden kann sich die Abwehr lockern und innere Impulse
können auftauchen. Es gilt dabei eine sorgfältige Balance
zu halten zwischen Provokation und Integration, zwischen Ansprechen
oder Anrühren des Charakterpanzers und dem Aufbau eines verbesserten
Körpergefühls. Ziel der Vegetotherapie ist es, dass
der Mensch wieder in Kontakt mit seinen energetischen Strömen
kommt. Das ermöglicht ihm wieder mehr Vertrauen zu sich,
seinen Körperwahrnehmungen und Gefühlen zu entwickeln.
Unerlässlich ist es dabei, mit den im Laufe der psychischen
und körperlichen Entwicklung entstandenen charakterlichen
Mustern zu arbeiten, die je nach Persönlichkeit, Störung
und Entwicklungsphase verschiedene Ausformung haben können.
Berührung und Massage
Der Berührung und Massage wird in der Biodynamischen
Körperpsychotherapie viel Bedeutung zugemessen. Reichs körperliche
Technik war auf das Auflösen von Blockaden und das deutende
Analysieren des Charakter- und Körperpanzers konzentriert,
während die Biodynamik über ein sowohl körperliches
wie psychisches «Halten» und «In-Kontakt-Treten»
einen Boden schafft, auf dem sich Blockaden durch das wiedergewonnene
Vertrauen zu lösen beginnen. Hierzu dienen, nebst der Fokussierung
auf die Atmung und die Funktion der Darmperistaltik, eine Vielzahl
von Berührungs- und Massagetechniken, welche eine energetisch
und psychisch integrierende und regulierende Wirkung haben. Der
Biodynamische Massagetherapeut behandelt den Körper auf vielen
verschiedenen Ebenen: auf den verschiedenen Ebenen des Energiefeldes
des Körpers, der Hautebene, der Bindegewebsebene, der Sehnen
und Muskeln und der Knochenhaut. Im weiteren arbeitet der Therapeut
intentional, d. h. mit bestimmten Absichten, wie z. B. eine Harmonie
auf allen Ebenen des Energieflusses zu erreichen, Sicherheit zu
geben, grundlegenden Kontakt aufzubauen usw. Der Therapeut geht
auf die durch die Massage ausgelösten Erfahrungen ein und
arbeitet mit den psychischen und emotionalen Zuständen, die
auftreten können. Die Einbeziehung der Atmung ist dabei ein
wichtiger Bestandteil der Massage, die sich in drei Bereiche unterteilt:
Bioreleasemassagen:
Diese wirken vor allem präventiv. Diese Methoden
wendet man vor allem bei gesunden Menschen an bei nervösem
Stress, emotionaler Überlastung und muskulären Spannungen.
Diese Massagen sind keine Methoden, um stärker psychosomatisch
betroffene Menschen zu behandeln.
Biodynamische Massagen:
Gerda Boyesen entwickelte im Laufe ihrer Arbeit
zahlreiche Massagemethoden. Diese helfen körperliche Spannung
und Druck abzubauen und die Energie in harmonischer Weise zu verteilen.
Sie können vegetative Reaktionen und emotionale Katharsis
provozieren und damit ein besseres emotionales Gleichgewicht wiederherstellen.
Das Stethoskop ist ein wichtiges Instrument in der biodynamischen
Massage. Es dient als Feedbackgerät, um die Bauchtöne
abzuhören, und der Therapeut erhält damit, über
die Erfassung der Bewegung der Darmperistaltik (Psychoperistaltik),
indirekt Aufschluss über den Funktionszustand des autonomen
Nervensystems.
Deep Draining
Eine von Gerda Boyesen entwickelte Massagetherapie,
die das Ziel hat, die neurotische Haltung und das eingeschränkte
Atemmuster aufzulösen. Deep Draining steht in enger Verbindung
zur biodynamischen Vegetotherapie, auch hier können starke
vegetative Reaktionen den Prozess auf emotionaler Ebene begleiten.
Beziehung
Die
Beziehung zwischen Klient und Therapeut ist in der Körperpsychotherapie
ein komplexes Gebilde. Interaktion findet im verbalen und körperlichen
Austausch statt und hat immer auch einen Beziehungsaspekt. Die
Biodynamische Körperpsychotherapie, wie sie an unserem Institut
gelehrt wird, ist eine klientenzentrierte und prozessorientierte
Therapie. Für die Arbeit mit Körperprozessen verwenden
wir Modelle von Reich, Keleman, Boyesen und anderen, in denen
Begriffe wie somatische Resonanz, vegetative Identifikation, Bonding,
wichtig sind. Die Person steht mit ihrem Körper und mit ihrer
inneren Welt im Zentrum des Prozesses. Der Therapeut lässt
sich auf diese Welt ein und geht mit dem Prozess mit. Er geht
den Schutzwall, den sich der Klient durch seine Neurose geschaffen
hat, nicht gewaltsam an, geht nicht provokativ über Widerstände
hinweg, sondern arbeitet mit den Widerständen.
Der
körperliche und der verbale Dialog ist die grundlegendste
Form der therapeutischen Beziehung in unserer Arbeit. Der Therapeut
ist einerseits als Person mit ihren Fähigkeiten und ihrem
Seinsvermögen anwesend und nimmt andererseits verschiedene
Rollen ein: er ist demzufolge Dialogpartner, Regisseur, Begleiter,
Anleiter, Behandelnder, Projektionsfigur. Während der Vegetotherapie,
die in verschiedene Stufen der Regression führen kann, verhält
sich der Therapeut gemäss den Erfordernissen der verschiedenen
Entwicklungsstufen.
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